von Stefanie Tatz

Sichtweisen

(Betrachtungen zur Jahreslosung für 2023, Genesis 16,13)

Siehst du auch, was ich nicht sehe?
Siehst du schwarz oder siehst du rot?
Siehst du durch oder hast du das Nachsehen?
Siehst du den Dingen gelassen entgegen und bist zuverSICHTlich?
Oder wirst du am Ende sagen: ich habe es kommen sehen?
Wie sieht’s aus? Hast du den Blick für die schönen Dinge?
Schaust du mal und blickst es nicht? Fährst du auf Sicht?
Sieh an, sieh an, es schaut gut für dich aus.
Sieh nicht stur geradeaus und nicht auf das, was alle sehen.
Ansehnliche Aussichten, wohin du schaust.

 

Liebe Freunde und Förderer des Diakonenhauses,

beim Blick in die Jahreslosung (im Zusammenhang betrachtet) gewinne ich die Anschauung, dass vieles sichtbar, aber weniges deutlich wahrnehmbar ist.

Abraham soll endlich mal hinschauen, wie es Sara geht. (Siehe!) Abraham ist nicht von weiser Voraussicht bestimmt, er schaut nicht so genau hin. Hagar aber sieht schnell die Möglichkeiten. (Als sie nun sah!) Sara wiederum kann sich des Eindrucks nicht erwehren, da schaue eine andere auf sie herab. Plötzlich hat sie das Nachsehen, was nicht vorhersehbar war.

Abraham sagt zu Sara: sieh nur, du hast alles in der Hand. Hagar sieht zu, dass sie so schnell wie möglich verschwinden kann.

Haben sie durchschaut, was sie taten, welche Sichtweisen sie antrieben? Vermutlich sahen sie alle das Recht auf ihrer Seite. Gefunden haben sie augenscheinlich nicht, was sie scheinbar vorausschauend anstrebten. Vielmehr wurden sie gefunden, Hagar jedenfalls gelangte zu dieser Einsicht.

Vom Engel des Herrn wurde sie gefunden. Dieser sprach: Schau, du läufst in die falsche Richtung. Du wirst gute Tage sehen, wenn du zunächst zurückschaust. Ansichtig werden wirst du der Güte Gottes, wenn du zuhörst (was man nur scheinbar als widersprüchlich betrachten kann). Im Hören wirst du sehen, dass einer den Draufblick hat.

Aber kaum ist sie des Auges ansichtig geworden, hat sie schon wieder das Nachsehen. Kaum erblickt, entschwebt der ansichtig gewordene Gott. „Hier genau, an dieser Stelle, habe ich hinter dem hergesehen, der mich angeschaut hat.“

Sieht hier noch jemand durch? Also, ich für meinen Teil sehe es so: Gott hat ein Auge auf mich geworfen. Und so wird es höchstvoraussichtlich ein ansehnliches Jahr werden. Hier und da werde ich ein paar verstohlene Blicke wagen. Wie in einen dunklen Spiegel, irgendwann aber von Angesicht zu Angesicht. Einen blickdichten Gott könnte ich nicht ertragen, aber glücklicherweise sieht es nicht danach aus. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Gute Aussichten für 2023!

Ihr / Euer Thomas Knittel

Grafik zur Jahreslosung 2023 von Diakon Thomas Schmutzler, Königslutter am Elm

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